Von Ronald stammt die Idee sich kunterbunt in unterschiedlichen Barcamps rumzutreiben, als BarcampAlien. Als Fremdling auf unbekanntem Terrain. Die Idee fand ich gut und habe es selbst ausprobiert. Man taucht in unbekannte Themenwelten ein, fühlt sich  anfangs wie ein Ausländer und versteht nach und nach immer besser, wovon die reden. Versteht man etwas nicht, kann man nachfragen und muss nichts einfach nur hinnehmen.

Gleiche Augenhöhe ist gängige Praxis in Barcamps und die Qualität der Vorträge (Sessions) braucht sich vor den ‚professionell‘ ausgerichteten Konferenzen nicht zu verstecken. Eine Führungskraft eines deutschen Automobilhersteller sagte es so: Auf den üblichen Konferenzen zahlt man eine Menge Geld und bekommt gute und schlechte Vorträge, hier zahle ich keinen Cent, kann mich engagieren und bekomme haufenweise Ideen und Kontakte.

Das genau unterscheidet auch den Vision Summit (Tätärätä) bspw. vom Educamp. Dort zahle ich fürs Stillsitzen und zuhören, hier sitze ich nur still, wenn es mich interessiert, ansonsten gehe ich in eine andere Session oder trinke einen Kaffee.

Wenn Barcamps so erfolgreich sind, kann man diese Form nicht auch auf andere Konferenzen übertragen, bspw. auf Veranstaltungen im Bereich Schule?
Der „Pädagogische Tag“ an unserer Schule ist so eine herkömmlich gestaltete Konferenz. Sie zeichnet sich aus durch geballte Langeweile, die sich über Stunden  hinziehen kann. Da geht es um Pausenregelungen, feuerpolizeiliche Verfahren, Urheberrecht usw., aber um Pädagogik, um Pädagogik geht es gar nicht.
Als wir vor zwei Jahren zum ersten Mal die Form des Baramps für die Veranstaltung wählten, war das Kollegium zurückhaltend aber offen. Die Erstellung des Sessionplans lief allerdings äußerst zäh an und trieb mir – als Initiator – den Schweiß auf die Stirn. Dann bot der Chef eine Session an und der Plan füllte sich danach wie von selbst, mit Themen, die für die Kollegen wichtig waren.
Wie diese Konferenz beurteilt wurde, lässt sich am Feedback (siehe unten) ablesen.

Feedback

 

Es braucht keine große Phantasie sich vorzustellen, wie das Feedback bei einer althergebrachten Konferenz gewesen wäre.

Nun könnte man glauben, dass ein „Erfolgsmodell“ fortgesetzt wird. Das ist aber nicht so.

Aus dem einen oder anderen Grund kehrte man zu der althergebrachten Form zurück. Wandel, so erfolgreich er auch sein mag, tut sich schwer. Aber obiges Camp hat zumindest die Vorstellungen darüber geändert, was eine Konferenz ist und was sie sein kann.

Ich beobachte derzeit, wie sich Barcamps ausbreiten und als Veranstaltungsform in Organisationen einsickern. Gleichzeitig wird die Idee gleicher Augenhöhe, des Teilens (Sharing) erfahrbar. Welche Änderungen sich dadurch in den Organisationskulturen ergeben kann ich nicht entfernt abschätzen.

Wenn ich das am Beispiel Schule versuche, würde das so aussehen: Angenommen Schulunterricht würde in ferner Zukunft als Barcamp organisiert werden. Was würde das alles ändern?

Schüler könnten ihre eigenen Talente und Fähigkeiten erkennen und darstellen. Schulen könnten zusammenarbeiten und Barcamps zu unterschiedlichen Themenbereichen konzipieren. Man könnte man als BarcampAlien andere Schulen besuchen, könnte als Hauptschüler aufs Gymnasium gehen –  und als Lehrer   tatsächlich von den Schülern lernen.

Ok. Ok. Ok., das ist ferne Zukunft. Gegenwärtig treibe ich mich kunterbunt in unterschiedlichen Barcamps herum, als BarcampAlien.