Coworking habe ich in einer Führung im Betahaus / Berlin erlebt. Es bestand damals bereits aus drei Stockwerken mit Arbeitsplätzen, einer Bar, einem Forum und einem Fablab.

Die Idee, sich einen Arbeitsplatz tage-, wochen- oder monatsweise zu mieten, war zwar nicht neu, aber die Art und Weise, wie es hier geschah, war ungewöhnlich gut. Zu einem relativ geringen Preis hatte man Zugriff auf eine umfassende Infrastruktur mit schnellem WLAN, Drucker, Scanner, Beamer und Besprechungsräumen.
Was ein Coworking Space im Kern attraktiv macht ist der gelebte Geist: Das Entstehen von Gemeinschaft, Gedankenaustausch, Offenheit und Zusammenarbeit.

„Wenn zwei Leute an einem ähnlichen Projekt, einer ähnliche Idee arbeiten, können sie sich doch zusammentun statt zu konkurrieren“, so meinte unsere Führerin im Betahaus.

Tatsächlich nutzt Coworking die Synergien der Teilnehmer. Man organisiert Veranstaltungen wie Meetups, Jams, Barcamps, Workshops, die in offener Atmosphäre  zur Partizipation auffordern.

Ursprünglich kommt die Idee aus San Franzisco. Sie breitete sich schnell aus, dass man heute weltweit selbst in kleineren Städten Coworking Spaces findet. Wie in den Wiener Kaffeehäusern der 20er Jahre versammeln sich hier Freiberufler, Kreative und Intellektuelle ergänzt mit Startups und Gründern zum Gedankenaustausch.

Inzwischen sind auch große Konzerne auf den Ideenreichtum und die Innovationskraft aufmerksam geworden. Die Innovationskraft fehlt den Unternehmen in aller Regel..

Was kaum verstanden wird ist, dass betonierte Räume für eine vitale Kultur nicht ausreichen. Es ist die Gemeinschaftsbildung, die agilen Arbeitsformen und offene Kommunikationsstrukturen, der Gedankenaustausch und die Begegnungen die den Spirit ausmachen. Und mit dem neuen Spirit tun sich Konzerne ziemlich schwer.

Die kleinen Coworking-Betreiber tun sich auf der anderen Seite schwer ihre Unternehmen mit genügend Kapital auszustatten und gewinnbringend zu betreiben. Es ist viel Engagement und unbezahlte Arbeit nötig um einen Coworking  ins Laufen zu bekommen und zu erhalten.

Manche Investoren haben den Puls der Zeit erkannt und investieren entweder in eigene Coworking-Spaces und Gründerzentren oder formen Immobilien um für die steigende Nachfrage.

Ein großer Konzern unterhält nebenbei einige Coworking-Zentren in verschiedenen deutschen Städten. Zu einem günstigen Preis werden repräsentative Arbeitsplätze angeboten. Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, eigene Mitarbeiter haben an den Standorten einen Arbeitsplatz zur Verfügung und man hat Kontakt mit Freelancern mit innovativen Potential.

Wenn man auf deren Webseite allerdings nach Veranstaltungen wie Meetups, Workshops oder Jams sucht, sucht man lange. Das Kernanliegen der Szene, also Begegnung, Offenheit, Kollaboration, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft, werden dort wie es aussieht gar nicht verfolgt.

Es liegt nicht in unser aller Interesse, wenn der Profit den Spirit zum Frühstück verspeist. Denn die Kleinen haben etwas, was den Großen fehlt: frische Innovationskraft und dauerhafte Motivation.

Erik ist ein Beispiel dafür.