Design Thinking

Da saß ich nun in Potsdam, an der HPI School of Design Thinking. HPI steht für Hasso-Plattner-Institut, Hasso Plattner war einer der Gründer von SAP und er brachte diese Methode nach Deutschland.

Was mich dahin getrieben hat, weiß ich nicht genau. Ich weiß nur, dass es für meinen Geldbeutel kein bescheidener Eintrittspreis war, den ich da entrichtete.

publikum

Bei der Zusammensetzung der Teilnehmer ist das auch nicht verwunderlich. Das Management der DB, des ZDF,  von SAP, der DHL war vertreten, auch einige Unternehmensberater, Doktoranten  und ich – ein Schullehrer. Man fühlt sich da!

Was geboten wurde, war ein Einführungsvortrag: Was HPI  ist. Wen man als Kunde hat. Wer an dem 6- und 12- Wochen Projekt teilgenommen hat. Wann das nächste Design-Thinking Festival stattfindet und was Design-Thinking überhaupt ist, der letzte Punkt war echt gut.

Danach ging es richtig, aber auch richtig los. Die verschiedensten Methoden wurden vorgestellt und sofort ausprobiert. Ein stets tickender Wecker ließ keine Zeit zum Grübeln und Nachdenken, man konnte nur Tun, Machen. Das macht Stress, sorgt für Ergebnisse und macht Spaß (!) .

Nachfolgende Agenda lässt erahnen, wie eng der Zeitrahmen war.

agenda klein

 

Der Prozeß beginnt in der Regel damit, das Problem überhaupt einmal zu verstehen. Er führt über mehrere Stationen schließlich zum Aufbau eines Prototypen und zum Test. Einen Prototypen erstellen heißt, mit den Händen denken.  Eine ganze Wand von Materialien steht dafür am HPI zur Verfügung: Pfeifenreiniger, Pappe, Styroporkugeln, Strohähnlicheszeug usw. usf.

Der ganze Ablauf wird mehrmals wiederholt und man verbessert von mal zu mal sein Produkt bzw. seine Dienstleistung bis zur Marktreife.

VW hat ein Team von Design-Thinkern aufgebaut. „Bei uns ist es immer am lautesten und am lustigsten“, erzählte uns eine aus dieser Gruppe. Im Gegensatz dazu tat sich ein hoher Manager eines deutschen Konzerns schwer mit dem Metier. Es dauerte Tage, bis er sich in die neue Denkweise einfinden konnte und seine Kommentare wie: „Das haben wir schon probiert, das geht ja doch nicht“, „Das wird viel zu teuer“, „Dafür gibt es doch keinen Markt“ einstellte. Ihm wurde sicher irgendwann in seinem Leben seine Kreativität abtrainiert, aber nicht genommen. (Siehe auch das wunderschöne Video mit David Kelly, einem Begründer des Design-Thinking.)

Das Beispiel zeigt eine Kluft, eine Kluft die zwischen den Generationen verläuft. Eine Kluft, die unsere bestehenden Unternehmenskulturen immer mehr in Frage stellt, die Kluft zwischen Erfahrung und Kreativität.
Wir brauchen beides, die Erfahrung und Konstanz der Älteren  und die Kreativität und Innovationsfreude der Jüngeren. Das erfordert eine Begegnung auf Augenhöhe.

Wir tun uns in unserer Kultur schwer mit Augenhöhe und im Bereich Schule tun wir uns sehr, sehr schwer damit. Dabei sollten wir das kreative Potential der Jugendlichen nutzen. Bringen wir doch Design Thinking in die Schulen.

PS.:
Es gibt einen Leitfaden für Design-Thinking für Erzieher  hier und ein TED-Talk zum Thema von Tim Brown hier.