Teil 3 Lernort Brozzi

Das Brozzi oder Balazzo Brozzi ist ein Unikum, ein Relikt aus den siebziger Jahren, eine lebende Geschichte.
Die KöchInnen bspw. haben schon vor Jahrzehnten hier gekocht, das Servicepersonal gibt’s auch schon seit dieser Zeit und neue Kinder krabbeln nach wie vor die Treppen zum Podium hoch.
Das Publikum ist gemischt, in die Jahre gekommene Alternative, junge Sozialpädagogen und Mütter mit Kleinkindern.
Es herrscht saubere Schmuddeligkeit vor. Das Essen ist oft köstlich, immer ehrlich. Das WLAN funktioniert –meistens – und die Sofas laden zum herumlungern ein.

Viele neue Cafes vermitteln, zumindest über die Preise, den Eindruck von etwas Außergewöhnlichem, Edlem und Guten.
Immer wieder wird man dort gefragt, ob noch alles stimmt – was heißt, ob man noch etwas nachordern will.

Das Brozzi ist gut und außergewöhnlich. Edel ist es nicht. Man bestellt am Tresen und hat danach seine Ruhe. Stundenlange Ruhe, wenn man will.
Und so sitze ich, alter Alternativer, gerne im Brozzi mit meinem Rechner und arbeite und lerne, gestört nur durch Hunde, Mütter und Kinder.

P.S.: Die Szenen wirken unzusammenhängend. Das liegt daran, dass ich alle 10 Minuten ca. 10 Sekunden das gefilmt habe, was sich im Raum abspielte.