„Räume formen Gedanken“. Mit dieser These im Kopf nimmt man gegenwärtig viel Geld in die Hand. Man will Räume für  Innovation und Innovatoren schaffen,.

Arbeitsplätze der Zukunft bestehen aus Sofas, Stehtischen, Sitzwürfel, Meetingecken, Foren, Rückzugsorten und selbstredend aus obligatorischen Cafèbars. Der Raum ist umgestaltbar und flexibel.  Bewegliche Wände gestatten es im Nu den Raum an die sich ändernden Bedürfnisse anzupassen. Beamer und Smartboards sind fester Teil der Ausstattung, Pinnwände und Flipcharts gibt es genügend und selbst die Wände kann man bis oben hin beschreiben.  Wie man sieht, an Hardware mangelt es nicht.

Bayern investiert derzeit massiv in Gründerzentren.  Dr. Christian Andersen und Dr. Gerhard Frank sind Projektleiter des Gründerzentrums Würzburg.  Sie planen dort Design Thinking als zentrale Methode ein und gestalten die Räume dementsprechend.

Hier ein Interview mit Dr. Christian Andersen

https://youtu.be/NRqn8wcSrPA

Studenten nehmen neue Konzepte sicher offen an.

Wie sieht es aber mit neuen Gedanken und „neuer Architektur“ in einer gewachsenen Unternehmenskultur aus? Haben kreative Räume wirklich genügend Persönlichkeit um Wandel anzuregen?

Wenn altgediente Führungskräfte ihren Büros nachtrauern, kann es passieren, dass sie kurzerhand versuchen den Raum heimisch zu gestalten. Mit Aktenordnern und Schachteln werden alte Büroburgen  im neuen Umfeld hochgezogen mit Sichtschlitzen und kontrolliertem Zugang.

In einem unserer Meetups zum Thema visuelles Denken kam ein Teilnehmer, dessen Unternehmen kürzlich in ein neues Gebäude umgezogen war, auf das neue Umfeld zu sprechen. Er berichtete von Legosteinen, die in einem Kreativraum herumlagen, die er aber mit Sicherheit nicht anfassen würde. „Ich mache mich doch nicht lächerlich vor meinen Kollegen“, so seine Aussage.
Wir hatten Bauklötze und Kasperlpuppen mitgebracht, die glücklicherweise noch in Kartons lagen. Sie wären zu dem Zeitpunkt für den Teilnehmer ein Fluchtgrund gewesen. Im Laufe des sehr inspirierenden Abends fasste ich dann doch den Mut und packte Bauklötze aus. Ich zeigte, wie sich damit Projektabläufe visuell greifbar machen lassen. Wie auch immer es geschah, jedenfalls baute unser Besucher mit den Klötzen seine eigene Situation nach, knapp, klar und überzeugend.

Er war überrascht von seinem Ergebnis und wunderte sich selbst: „Jetzt habe ich es doch angefasst.“

Ich habe an diesem Abend verstanden, dass ein offener Raum in einer  bestehenden Unternehmenskultur für die Mitarbeiter auch eine Bedrohung darstellen kann. Der psychische Raum muss die Menschen auch erreichen. Gebäude sind schnell gebaut, ein neuer Mindset braucht Zeit zum Wachsen.

So geht es wohl auch unseren kreativen Räumen. Sie sind oftmals der erste Schritt eines umfassenderen Kulturwandels. Die Folgeschritte sind psychologischer Natur und kommen in Formaten  wie Design thinking, Lego serious play und Working out loud daher. Alles läuft prima, wenn die bestehende Unternehmenskultur den Sinn und die Notwendigkeit dieser Formate versteht. Aber tut sie das?

Es gibt den Begriff des nudgings, der vielen kleinen Stupser, die immer und immer wieder in die gleiche Richtung stupsen. Ich denke, das ist der lange Weg eines Kulturwandels den wir gehen müssen. Es ist das „jetzt habe ich es doch angefasst“  auf vielen Ebenen und vielen Gelegenheiten. Kleine Stupser in die gleiche Richtung, das führt langsam zum Ziel. Einen schnelleren Weg gibt es wohl nicht.