In der Montessori Pädagogik gibt es den Begriff der vorbereiteten Umgebung. Gemeint ist ein Lernen anregendes Umfeld. Architektur von Gebäuden und Ausstattung von Räumen steuern das Verhalten, und das tun sie mehr als wir annehmen.
Warum sollte das bei Erwachsenen anders sein? Wenn ein physischer Raum psychische Räume ermöglichet, welche inneren Räume ermöglicht dann ein Großraumbüro mit Arbeitswaben?

Es sind Kleinigkeiten, die entscheiden ob ein Raum zum kreativen Lernen/Arbeiten geeignet ist oder nicht.

Um ein Beispiel zu geben:
In meiner Schule hatte bereits vor 10 Jahren jeder Schüler einen Laptop und Anschluss zum Internet. Jeder Platz war verkabelt, die Kabel waren an den Tischen fixiert. Das hatte zur Folge, dass die Sitzordnung festgelegt und unbeweglich für Gruppenarbeit war. Die Verkabelung bestimmte den pädagogischen Rahmen.

Der uns umgebende Raum spricht mit uns, wirkt auf uns ein. Ein Großraumbüro erzählt die Story der gut geölten Maschine, von den vielen Rädchen, die dabei ineinandergreifen und einem  Uhrmacher, der den Mechanismus im Griff hat. Die IT-Abteilung war in meinem Fall so etwas wie der Uhrmacher und legte die Kommunikationsstruktur und damit die pädagogischen Möglichkeiten fest.

Unsere Zeit braucht umfassendere, bessere Narrative als den einer Maschine. Wir müssen komplex und systemisch denken, wir brauchen eine offene Kommunikation. Es erfordert andere Räume; Räume die fähig sind Lösungsräume für drängende Fragen der Zukunft  zu sein.

David Kelley, Vater des Design Thinking, erkannte frühzeitig den Zusammenhang zwischen Raum und Interaktion. In seinen ersten Jahren standen Meetingräume nicht zur Verfügung. So saßen die Ingenieure bei den Besprechungen auf dem Boden  und im Kreis. Das gab  ein Gefühl von Augenhöhe und erlaubte eine gegenseitige Offenheit. Es entstanden We spaces und Innovationsräume statt den normalen I spaces.

Googles Räume sind legendär, vielleicht ein bisschen Kindergarten, allemal kreativ, kommunikativ  und gemeinschaftsfördernd. Je mehr Ideen ausgetauscht werden, umso mehr Kreativität kann entstehen, so der Grundgedanke. Hier passt sich der Raum den Bedürfnissen an und nicht umgekehrt.

Wenn es nun stimmt, dass Räume Gedanken formen und man Räume so designen kann, dass sie bestimmte Gedankenformen einladen, warum designen wir unsere Räume nicht einfach danach?

Nehmen wir als Beispiel des Hundertwasserhaus in Wien. Es ist eine Mischung aus Dschungel, Mietshaus und Gemälde. Auf den Dächern wachsen Bäume und Sträucher, alles sieht sehr organisch gewachsen aus. Die Fußböden sind nicht eben, sondern haben Erhebungen und Wasserrinnen, und da und dort plätschert ein Brunnen. Das Cafè im Erdgeschoss ist wie ein Wildgarten mit Nischen und offenen Flächen. Man fühlt sich sofort eingeladen und sicher. Das ist ein Raum für Kreativität.

Der Innovationsdruck führt auch in der hiesigen Industrie zu ganz neuen Denkansätzen.  Adidas erstellte   ein neues Gebäude,  The Pitch. Es ist  die Blaupause für den Arbeitsplatz der Zukunft. Mitarbeiter gestalten diesen selbst, flexibel, offen und ohne feste Arbeitsplätze, aber mit viel Begegnungsraum.

Das stellt gänzlich  neue Herausforderung an Architekten. Sie müssen das Diktat des Zeichenbretts verlassen, müssen weniger in Beton und mehr in Vorstellungen  sozialer Interaktion denken.  Das ist neu und daher können es noch nicht so viele. Linus macht das seit Jahren, hier unser Interview.