Gedanken und innere Bilder sind flüchtige Gesellen. Sie kommen, berühren einen und schon sind sie wieder weg.
In der griechischen Mythologie gibt es die Figur des Kairos, einer Gestalt mit wallendem Vorderhaar und einer Glatze am Hinterkopf. Kairos muss man zum richtigen Zeitpunkt vorne am Schopf packen. Etwas später schon ist wegen mangelnder Behaarung kein Halten mehr möglich. Die Gelegenheit ist verpasst.

So ist es auch mit unseren Imaginationen. Kaum sind sie da, schon sind sie fort. Außer – man bannt sie aufs Papier. Man macht eine Skizze von ihnen, man doodled. Dann kann man außen betrachten, was man innen gesehen hat. Man kann es anderen Menschen zeigen, man kann das Bild ergänzen oder es weiter entwickeln. Das innere Bild tut sich so viel schwerer in seinem Verlangen, sich unsichtbar zu machen und ins Unbewußte zu verspurlosen.

Viele Forscher und Künstler nutzten Visualisierungen, um ihre Gedanken zu verstehen und zu ordnen. Einstein, Steve Jobs, Michelangelo nutzten dieses Werkzeug. Wie man nachstehend sehen kann, sind die Skizzen von Michelangelo auch nicht perfekt.

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Er hätte damit in unserer Gesellschaft auch einen schweren Stand. Die Linien (im ersten Bilde) sind nicht gerade und die Punkte nicht in der Mitte.

„Ich kann nicht malen“ ist ein gängiger Glaubenssatz-  Ein Fünfjähriger denkt in seiner Unschuld noch nicht so. Einstein und Jobs auch nicht. Die waren in dieser Beziehung auf dem Stand des Fünfjährigen stehen geblieben.

Sunni Brown ruft zur Doodle-Revolution auf. Zur Rehabilitation von Kritzeleien, zur Nutzung von  Servietten und Bierdeckeln, um grandiose Gedanken auf und zwischen den Flecken skizzenhaft darzustellen. Ich schließe mich Sunnis Kampfruf an: Doodlers unite!

Ach, und wenn Ihnen Sunni Brown unbekannt ist, dann lernen Sie sie hier oder hier kennen. Es lohnt sich.