Working out loud („wol“)

Working out loud? Sorry, so richtig habe ich es nicht verstanden. Man sagt oder schreibt, was man tut und macht. Woran man arbeitet. Dies teilt man dann über die sozialen Medien mit.
Ich habe mich immer gefragt, was daran neu sein soll. Das macht man doch schon lange in Facebook.

John Stepper, der  Begründer dieser Methode, war Ende November leibhaftig hier in Nürnberg bei einer Veranstaltung der Cogneon-Akademie. Zuvor war er bei Mercedes und Bosch.

Aus welchem Grund laden so große Konzerne John ein? Irgend etwas muss an „wol“ dran sein, sonst würde man doch den ganzen Aufwand nicht treiben.

Während seiner Keynote wurde mir klar, dass es bei „wol“  um weit mehr geht als nur darum etwas zu posten. Es geht vielmehr um Kontakt, ums Mit-Teilen, ums Tun, um schrittweises Erkunden  und um das Unterstützen anderer. Kurz, es geht um die Vernetzungen zwischen Menschen.

Keynotespeaker haben vielfach die Tendenz in die Rolle des kompetenten Experten zu schlüpfen. Das macht sie etwas größer und die Zuhörer etwas kleiner.

Bei John war das nicht so.  Er sucht das persönliche Gespräch, er begegnet einem auf Augenhöhe und er lebt Großzügigkeit.
Diese Haltungsänderung vom Expertentum zu  – ja zu was eigentlich – zeugt von einem Paradigmenwechsel, der immer mehr zu spüren ist. Nicht das Ich oder Ego steht im Zentrum des Geschehens, sondern das Wir, das Beziehungsnetz, das Feld.
Es geht darum etwas aufzubauen wovon jeder profitiert.

Praktiziert man „wol“ so führt das zu einer Haltungsänderung und zu einer Persönlichkeitsentwicklung. Gleichzeitig braucht es paradoxerweise diese Haltungsänderung, um „wol“ zu praktizieren.

Harald Schirmer, Manager für Digital Transformation and Change von Conti, betonte in seinem folgenden Vortrag, dass die digitale Transformation viel mehr eine Sache von MIndset  als von Hardware ist.
Nun ja, das ist sehr leicht geschrieben. Wie schwer es fällt, dies ganz konkret zu leben, zeigte sich am Ende der Tagung. Harald bat die Teilnehmer einer Session mit ihrem Handy ein 1-Minuten Video zu drehen. Thema: „Was nehme ich aus dem Tag mit?“. Also keine Veröffentlichung, just for fun.

Aber Fun, jetzt, hier, sofort? So konkret wollen wir alle es meist nicht haben. Es wurde soweit ich erkennen konnte kein einziges Video gemacht.